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Deutschland ist Fahrrad-Entwicklungsland

30.03.2008 - Schrot und Korn.
Interview mit Karsten Hübener, Bundesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Fahrrad-Entwicklungsland

Deutschland ist mit einem Radverkehrsanteil von neun Prozent in Ihren Augen ein „Fahrrad-Entwicklungsland“. Warum ist es so wichtig, dass mehr Fahrrad gefahren wird?

Rad fahren ist gut für Gesundheit und Umwelt. Es ist eine der effektivsten Maßnahmen zur CO2-Reduzierung. Es fällt weniger Feinstaub an, Lärmbelastung und Flächenverbrauch sind geringer. Auch die Lebensqualität in den Städten steigt deutlich. Radfahrer sind weniger krank, das ist ein immenser Vorteil für die Volkswirtschaft. Da Radtouristen meist im eigenen Land bleiben, werden Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen geschaffen.

Nationaler Radverkehrsplan

Trotz dieser Vorteile und dem vor fünf Jahren verabschiedeten nationalen Radverkehrsplan (NRVP) ist es nicht gelungen, den Radfahreranteil zu steigern.

Das Thema wird immer noch nicht wirklich ernst genommen und nicht systematisch gefördert. Im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung wird Rad fahren überhaupt nicht erwähnt und auch auf EU-Ebene ist das noch viel zu wenig in den Köpfen drin. Mit dem Bau von Autobahnen, Brücken, Bahn- und U-Bahnstrecken kann man sich politisch mehr profilieren, aber das ist extrem teuer. So schieben sich Bund und Kommunen den Schwarzen Peter zu.

Verkehrsplanung pro Fahrrad

Wo müsste konkret eingehakt werden?

Zum einen braucht es eine bessere Ausbildung der Verkehrsplaner. Viele Radwege sind schlecht und ihre Benutzung gefährlicher, als auf der Fahrbahn zu fahren. Auch steuerlich, etwa mit der Entfernungspauschale, werden immer noch lange Wege gefördert.

Öffentlichkeitsarbeit notwendig

Bräuchte es nicht außerdem Öffentlichkeitsarbeit?

Genau. Die besten Radwege nützen nichts, wenn es vielerorts immer noch als unschick gilt, Rad zu fahren. Aber auch eine Imagekampagne bringt nichts, wenn die Radwege schlecht sind. Fahrrad fahren beginnt immer im Kopf. Aber dann braucht man eine gute Infrastruktur, Abstellanlagen und eine bessere Verknüpfung von Rad und Bahn, Stichwort Rad-Mitnahme im ICE. Der NRVP ist eine Sammlung vieler schöner Dinge, die man tun könnte, aber es wird nicht gesagt von wem und wann. Insofern gibt es bislang nur marginale Fortschritte.

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